Gruppenprozesse


Gruppen (Abteilungen, Klassen, Kollegien usw.), die von ihren "formellen" Leiterinnen und Leitern nicht kompetent geführt werden, ver-halten sich gruppendynamisch wie "leiterlose" Gruppen.

Sie zerfallen dann entweder in sich gegenseitig rivalisierende Untergruppen (Oehler 1999) oder/und grenzen für die "Misere" verantwortlich Gemachte aus (Resch 1994), betreiben also Mobbing, schließen sich einem "informellen" Gruppenleiter an oder aber werden zu einer "Kollaborative", d. h. zu einem aus eigenem Antrieb und im Sinne des Ganzen denkenden und handelnden Team.

Letzteres geschieht leider eher selten. Ebenso selten erfüllt sich die Hoffnung, dass Gruppenprobleme sich schon irgendwie "von selbst" lösen. Wenn man angenehme und allen zuträgliche, kooperative und produktive Arbeitsbeziehungen haben möchte, muss man sich konsequent darum bemühen und Gruppendynamiken beständig beobachten und als Gruppenleiter Fehlentwicklungen rechtzeitig ansprechen und beenden.

Da Menschen ihr Kommunikations- und Kooperationsverhalten früh und zumeist in familiären Kontexten erwerben, neigen sie dazu, diese unbewusst auf alle möglichen anderen Kontexte - z. B. im Betrieb, in der Schule - zu übertragen (DesRoches 1996). Insbesondere unter Stress tendieren Menschen dazu, auf "bewährte"Strategien zurück zu greifen, die sie teils schon als Kinder erworben haben. Sie agieren dann nicht unbedingt so, wie man es von Erwachsenen erwarten könnte, z. B. wenn ein Konflikt auftritt, sondern "regredieren".

In Gruppen - gleich welcher Art - existieren "formelle" und "informelle" Strukturen, Beziehungen, Verhaltensweisen, Rituale usw. Die informellen Strukturen usw. werden oft unterschätzt, stellen aber den "Schlüssel" für ein gutes Lern- oder Arbeitsklima, gelingende Organisationsentwicklungen oder konstruktive Konfliktlösungen dar (Boos 1996).